Sunday, May 27, 2012

Call for Papers: Lean Kanban Central Europe 2012

Die größte internationale Lean Kanban Konferenz in Zentraleuropa findet heuer vom 22. bis 23. Oktober in Wien statt. Der Call for Papers läuft noch bis zum 30. Juni.

Es gibt einen offenen Review-Prozess, so dass die Chancen für die Annahme einer Session umso größer sind, je früher man einreicht, weil man dann auf Feedback durch die Reviewer reagieren kann. Wir freuen uns auf eure Einreichungen und Reviews und natürlich auf euren Besuch der Konferenz.

Mehr Informationen rund um den Review-Prozess und zur Konferenz gibt es auf der Website: www.lean-kanban.eu

Wednesday, May 23, 2012

Muss ich das? Kann ich das? Will ich das?

Wenn eine organisatorische Veränderung mehr sein soll, als das Anbringen von neuer Farbe am Firmengebäude, wird es sich nicht vermeiden lassen, Menschen mit auf die Veränderungsreise zu nehmen. Schließlich sind es die Menschen, die Veränderungen ermöglichen, vorantreiben oder auch verhindern.

Die deutschen Organisationsberater Klaus Doppler und Christoph Lauterburg haben in ihrem Buch Change Management überzeugend ausgeführt, dass sich jede Person in einem Veränderungsprozess folgende drei Fragen stellt: Muss ich das? Kann ich das? Will ich das?

Muss ich das?

Die generelle Frage nach dem Müssen wird unter anderem von folgenden Unklarheiten genährt:
  • Warum Veränderung?
  • Was sind die Ursachen dafür?
  • Sagt uns die Leitung alles oder gibt es Dinge, die uns verschwiegen werden?
  • Ist die Sache wirklich wichtig – oder gäbe es dringendere Probleme, um die wir uns kümmern sollten?
Ich sehe es immer wieder, dass versucht wird, diese Unklarheiten mit Informationsveranstaltungen zu adressieren. Oberflächliche gesehen könnte man denken, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen damit in die Veränderung eingebunden sind - Bedenken werden jedoch häufig nicht gehört und es wird auch oft darauf verzichtet, die Erfahrungen der Belegschaft in den Veränderungsprozess mit einzubeziehen. Das Resultat ist ein Gefühl, dass sowieso schon alles ausgemacht ist und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es nur noch abnicken müssen. Informationsweitergabe und wirkliches Einbinden von MitarbeiterInnen sind verschiedene Sachen!

Kann ich das?

Wie auch immer die Veränderungsnotwendigkeit kommuniziert wird – die Frage „Muss ich denn?“ ist auch auf der individuellen Ebene eng mit der Frage „Kann ich das überhaupt?“ verbunden:
  • Bin ich dem gewachsen, was da auf mich zukommt?
  • Habe ich alle Skills, die ich brauche, um die Veränderung zu meistern?
  • Wie stehen meine Chancen für gute Arbeitsergebnisse?
  • Was heißt unter den neuen Bedingungen Erfolg?
Hier spielt Vertrauen eine große Rolle: Auf der einen Seite das Vertrauen der anderen in die eigenen Stärken, auf der anderen Seite das Selbstvertrauen, geht es doch um eine ehrliche Einschätzung dessen, was man sich im Zuge der Veränderung zutraut. Je größer, radikaler und revolutionärer die Veränderung ist, desto stärker wird der Gegenwind hier blasen: Wenn zum Beispiel Business Analysten zu Produktverantwortlichen werden, Abteilungsleiter zu Hindernis-Entfernern oder Projektmanager plötzlich überhaupt keinen Platz mehr haben, kann man sich auf stürmische Zeiten einstellen, denn die nächste Frage, die sich die Beteiligten stellen, ist die nach dem Wollen.

Will ich das?

Wer schon einmal in einer ähnlichen Unternehmenssituation war, wird leicht nachvollziehen können, wie schnell, ja geradezu reflexhaft die bisherigen Organisationserfahrungen hochgerechnet werden. Es ist vor allem dieses emotionsbetonte Rechnen, das auch die Frage nach dem generellen Wollen dominiert:
  • Was bringt mir die Veränderung?
  • Sind die neuen Tätigkeiten interessant?
  • Mit welchen Leuten habe ich dann zu tun?
  • Besteht das Risiko, etwas zu verlieren: Einkommensanteile, einen guten Vorgesetzten, angenehme Kollegen, interessante Karriereperspektiven?
  • Oder darf ich mir ausrechnen, durch die Veränderung etwas zu gewinnen?
Die inhaltliche, vor allem aber die emotionale Qualität der Antworten bestimmt die Grundhaltung gegenüber der Veränderung. Von dieser Haltung hängt es ab, wie viel Veränderungsenergie mobilisiert wird. Bin ich der Veränderung gegenüber eher positiv eingestellt oder eher negativ? Was ist meine individuelle Bilanz in Anbetracht all der Informationen, die ich erhalten, der Diskussionen die ich geführt, und der Einschätzungen, die ich getroffen habe? Was denke ich mir? Was sagt mein Bauchgefühl? Und wie werde ich mich dementsprechend verhalten?

Man tut gut daran, diese Fragen und somit auch die Emotionen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem Veränderungsvorhaben ernst zu nehmen und zu adressieren. Auch wenn Kanban auf einer evolutionären und schrittweisen Veränderung aufbaut - die Fragen und Emotionen sind trotzdem da und warten darauf adressiert zu werden.

Sunday, May 20, 2012

Kanban in der Internetagentur ncm

Große Freude bereitet mir die Kanban-Einführung bei der Internetagentur ncm.at - ein junges, kreatives Team, das ihren Kunden im Tourismusbereich Erfolge im Internet sichert. Durch Kanban hat sich ncm der kontinuierlichen Verbesserung ihrer Arbeitsweise verschrieben. Da immer mehr Leute nachfragten, was diese Kanban wohl ist, hat sich ncm dazu entschlossen, einen Blog-Beitrag inklusive Video zu veröffentlichen. Zu sehen: Sabine, Michael und meine Wenigkeit.

Thursday, May 17, 2012

Kanban Change und Organisationsbilder

In meinem Blog-Artikel "Die Logik des Misslingens von Veränderungsinitiativen" habe ich ausgeführt, dass zwischen 60 und 80 Prozent der Veränderungsinitiativen in Unternehmen scheitern. An dieser Stelle sollten wir uns fragen, was ist es überhaupt das scheitert? Was ist das Objekt der Veränderung? Was ist eine Organisation? Mit den Namen Apple, BMW, Johnson & Johnson, Shell, usw. können wir sehr schnell eine Organisation identifizieren. Doch sind wir in einer Organisation, wenn wir durch die Firmentür gehen oder einen Anstellungsvertrag unterschreiben? Was ist, wenn am Abend alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nach Hause gegangen sind? Haben sie die Organisation dann in ihren Köpfen mitgenommen? Oder verbleibt die Organisation in den Räumen, im Mobiliar oder in den Dokumenten und wartet, bis sie am nächsten Tag wieder zum Leben erweckt wird?

Organisationsbilder

Fakt ist, dass sich Organisationen nicht auf Gebäude oder getriebeartige Räderwerke reduzieren lassen, für deren Veränderung man bloß einen neuen Gang einlegen muss oder wie eine Maschine per Knopfdruck steuern kann. Systemtheoretisch gesehen sind Organisationen lebendige soziale Systeme, die einen hohen Grad an Komplexität aufweisen. Nimmt man das Risiko übertriebener Polarisierung in Kauf, lassen sich zwei völlig unterschiedliche Unternehmensmodelle umreißen:

  1. Ein mechanistisches, das kurz gesagt auf der Annahme linearer Kausalketten, rationaler Pläne und zentraler Steuerungsmöglichkeiten beruht. 
  2. Ein systemisches, das auf der Annahme vielfältiger Feedbackschleifen, nicht gänzlich durchschaubarer Widersprüchlichkeiten und einer latenten Unsteuerbarkeit aufsetzt. 
In unserem Buch Kanban in der IT stellen Sigi Kaltenecker und ich Merkmale beider Organisationsbilder gegenüber:

Mechanistisches Organisationsbild
Systemisches Organisationsbild
Überschaubar und klar strukturiert
Komplex und in sich widersprüchlich
Lineare Kausalketten
Vielfältige Wechselwirkungen
Zentrale Steuerung, nach rationalem Plan zu leiten
Selbststeuerung, ihren eigenen Gesetzen folgend
Formale Logik
Integration von Widersprüchen
Primär zweckgetrieben
Primär sinngetrieben
Harte Fakten und rationale Beziehungen
Harte und weiche Faktoren, Emotionen
Struktur- und prozessorientiert
An Handlungsmustern und Routinen orientiert
Hohe Bedeutung von individuellen Vorgaben und Kontrollen
Hohe Bedeutung gemeinsamer Reflexion, Zusammenarbeit und Ergebnissicherung
Veränderung durch Instruktion und Befehl
Veränderung durch Dialog und Überzeugung
Zentralistische Führung
Polyzentrische Führung

Bezogen auf eine Kanban Change Initiative kann man festhalten, dass die Verordnung von Kanban "von oben" dem mechanistischen Bild entspricht. Ähnlich verhält es sich, wenn bei Kanban nur auf die Praktiken fokussiert wird, ohne die Prinzipien zu verfolgen. (Mehr zu den Prinzipien im Blog-Post "Wegweiser für eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung".)

Wenn man Organisationen als lebendiges soziales System begreift, kommt man sehr schnell zur Einsicht, dass es für eine erfolgreiche und nachhaltige Veränderung mehr braucht als die Verordnung von ein paar Praktiken oder Spielregeln. Veränderung benötigt aufmerksame Wahrnehmung von dem was im Unternehmen passiert und die Einbeziehung von den Menschen. Veränderung kann nicht von einem Mechaniker eingebaut werden.

Monday, May 7, 2012

Die Logik des Misslingens von Veränderungsinitiativen

Veränderungsmanagement, Change, Change Management, Change Leadership, usw. sind in aller Munde. Doch was steckt hinter diesen Begriffen der Veränderung? Was soll eigentlich verändert werden? Organisationen? Personen? Kulturen? Was passiert bei einer Veränderung? Was muss beachtet werden? Kann man Veränderung herbeiführen und vorantreiben? Was hat das alles mit Kanban zu tun?

Das und mehr wird Inhalt der Blog-Reihe KanbanInIT rund um das Thema Kanban Change Leadership, was auch zentraler Bestandteil des Buches Kanban in der IT von Sigi Kaltenecker und mir ist.

Gründe für die Veränderung in einem Unternehmens gibt es viele:
  • Neue Technologien
  • Globalisierung von Arbeits- und Konsummärkten
  • Internationalisierung der Zusammenarbeit
  • Individualisierung von Kundenwünschen
  • Demographischer Wandel
  • Aggressiver Wettbewerb
  • Verunsicherung der Finanzmärkte
  • usw…

Will ein Unternehmen erfolgreich sein, muss es sich an die ändernden Bedingungen permanent anpassen. Eigentlich können es sich Unternehmen gar nicht mehr aussuchen, ob sie sich verändern wollen oder nicht - Veränderung kann heutzutage nicht die Ausnahme sondern muss die Regel sein. "Business Agility" wird zum Mantra für Unternehmen des 21. Jahrhunderts.

Steigender Umsetzungsdruck veranlasst viele Unternehmen dazu, Veränderungsvorhaben so rasch wie möglich abzuschließen, sonst drohen sie noch während der Umsetzung obsolet zu werden. Unternehmen werden auch häufig von mehreren Veränderungswellen gleichzeitig überrollt: Outsourcing, kontinuierliche Verbesserung mit Kanban und Softwareentwicklung mit Scrum neben Initiativen zu Customer Value Management und Corporate Social Responsibility.

60 bis 80 Prozent der Veränderungsvorhaben scheitern
Die Veränderungsprojekte, die in Angriff genommen werden, erreichen jedoch selten die gesetzten Ziele. Allgemein gültige Zahlen gibt es zwar keine, doch unterschiedliche Stichproben weisen darauf hin, dass zwischen 60 und 80 Prozent aller Veränderungsvorhaben in den Sand gesetzt werden. Demnach steigt natürlich der Frust unter den MitarbeiterInnen. "Kanban kommt, Kanban geht" habe ich nicht nur einmal in anfänglichen Gesprächen gehört. Anstatt Einstellungen zu ändern, werden die Veränderungs-Wellen routiniert abgesurft. Diese Haltung wird auch durch den Umstand gefördert, dass viele Organisationen mit ungeeigneten Mitteln auf die Krisen in ihrem Umfeld reagieren:
  • Es wird über Lösungen diskutiert, bevor Einigkeit über das Problem besteht. 
  • Die aktuellen Herausforderungen werden nicht gemeinsam diagnostiziert, sondern vorgegeben. 
  • Der Nutzen der bestehenden Situation wird nicht ausreichend in Betracht gezogen. 


Veränderungsvorhaben scheitern an falschen Grundannahmen
Wirft man einen genauen Blick auf diese kleine Hitparade des Misserfolgs, lässt sich leicht entdecken, dass viele Veränderungsprojekte nicht an schlechten Prozessen, Methoden, Frameworks oder Werkzeugen scheitern. Vielmehr werden diese Projekte Opfer falscher Grundannahmen. In dieses Horn bläst auch der Organisationsforscher Dietrich Dörner in seiner "Logik des Misslingens":
  • Handeln ohne vorherige Situationsanalyse
  • Handeln ohne Berücksichtigung von Fern- und Nebenwirkungen
  • Handeln ohne Berücksichtigung von Prozessen
  • Handeln ohne genaue Fehlersuche
  • Handeln ohne Bedenken
  • Handeln ohne Organisationsbewußtsein
  • Handeln ohne kritische Selbstreflexion
Die Essenz: Einfach mal ein paar Praktiken, Spielregeln, Prozesse oder Tools in den Arbeitsalltag zu integrieren und dann hoffen, dass alles besser wird, ist eine Illusion. Der ersehnte Quick-Fix wird so sehr schnell zum Rohrkrepierer. Das gilt meiner Erfahrung nach auch für Kanban: Wer glaubt, einfach mal Visualisierung, WIP-Limits, Serviceklassen & Co Abteilungen oder Teams verordnen zu können und dann wird schon alles gut werden, ist leider am Holzweg. Was bei Veränderungsvorhaben zu beachten ist, werde ich in den folgenden Blog-Artikeln ausführen.

Thursday, May 3, 2012

Ab heute erhältlich: Kanban in der IT

Es ist geschafft! Das Buch "Kanban in der IT - Eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung schaffen" von Sigi Kaltenecker und mir ist heute erschienen. Und man kann auch digital reinschauen:

Retrospektiv betrachtet, waren 80 Prozent des Buches in Windeseile fertig gestellt :-) Die übrigen 20 Prozent waren jene Knochenarbeit, die wir ohne die Unterstützung von verschiedenen Seiten nicht geschafft hätten und für die wir uns an dieser Stelle bedanken möchten.

Ein spezielles Dankeschön gebührt Katrin Dietze, die unermüdlich auf der Idee beharrte, unsere gesammelten Erfahrungen schriftlich zu kanalisieren. Sie darf sich somit für die Initialzündung dieses Buches verantwortlich fühlen. Katrin schaffte es auch, unsere wilden Kritzeleien in schöne Illustrationen zu übersetzen.

Zwischendurch haben wir immer wieder Feedback dazu benötigt, ob wir am richtigen Weg sind. Dieses Feedback haben wir von unseren Revieweren Arne Roock, Elisabeth Blum, Jens Meydam, Katrin Dietze, Markus Andrezak und Sabine Eybl bekommen, die uns darüber hinaus für spannende Diskussionen zur Verfügung standen.

Wir möchten uns auch bei David J. Anderson bedanken, der für uns eine unerschöpfliche Quelle an Inspirationen ist und dieses Buchprojekt von Anfang an unterstützt hat. Und schließlich ein Dankeschön an Barbara Heitger, deren Know-how im Change Management eine produktive Steilvorlage bot.

Natürlich ist ein Text ohne einen Verlag nur ein Teil des Buch-Weges. Herzlichen Dank an den Hanser Verlag, allen voran Margarete Metzger und Stefanie Gerhards für die Organisation und Lektorat, Irene Weilhart für die Hilfestellung in technischen Notfällen und Jürgen Dubau für die raschen Korrekturgänge.

Damit man neben der Leseprobe weitere kleine Einblicke in das Buch erhält, starte ich nächste Woche eine Blog-Reihe mit Kerninhalten aus dem Buch. Getagged wird mit KanbanInIT.

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