Die meisten mir bekannten Unternehmen haben Bonifikationssysteme, die auf den Leistungen von einzelnen Mitarbeitern beruhen wie z.B. "Wenn du Ziel X erreichst, bekommst du Y Geldeinheiten." Wenn man das in die Fussball-Welt überträgt, könnte ein "Anreiz" so formuliert werden: "Jedes Tor eines Spielers bringt dem Schützen € X." Wow! Perfekt - jeder wird sich bemühen Tore zu schießen! Hier spürt man schon irgendwie, dass so etwas nicht funktionieren wird: Der Ego-Trip der Stürmer wird schwer zu bändigen sein und Verteidiger werden wahrscheinlich zu Sprints über das gesamte Feld ansetzen, um Tore zu erzielen. Ein Pass zu einem gut platzierten Mitspieler? Sicher nicht! Das wäre ja wie eine Geldüberweisung an ihn. Der schießt eh schon mehr Tore als ich...
Eine Fussballmannschaft, die aus lauter Einzelkämpfern besteht, wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine Erfolge feiern. Ich bin zwar kein Fussball-Fan (was als Österreicher auch die nervenschonendere Variante ist), kann mir jedoch nicht vorstellen, dass Fussballtrainer auf die Idee kommen würden, individuelle Tor-Prämien zu vergeben.
Warum glaubt man jedoch so häufig, dass individuelle Prämien und Ziele für MitarbeiterInnen in Unternehmen funktionieren?
Donnerstag, 16. Februar 2012
Mittwoch, 8. Februar 2012
Swiss Limited WIP Society Treffen, 28.2.2012, Zürich
Die Swiss Limited WIP Society geht in die nächste Runde und diesmal ist das Motto "Let's play getKanban!" Wir werden gemeinsam eine Kanban-Simulation durchführen und somit praktisch erfahren, wie die Mechanik von Kanban funktioniert. Ein Special Guest wird auch mit dabei sein: Carlos, wahrscheinlich einer der bekanntesten QA-Manager in der Kanban-Szene wird euch einige interessante und und hoffentlich lehrreiche Momente bescheren. ;-) Ihr könnt gespannt sein!
Wir starten am 28.2. um 18:00 Uhr bei Qcentris, Thurgauerstrasse 54, 8050 Zürich/Oerlikon.
Anmeldung zum Event gibt es hier: https://www.xing.com/events/let-play-getkanban-866992
Montag, 6. Februar 2012
Messungen als Leistungssport
Vorige Woche durfte ich in einer Tram in Zürich (in Wien würde man Bim sagen und das deutsche Wort ist wahrscheinlich Straßenbahn) - mehr oder weniger gezwungenermaßen - eine interessante Unterhaltung mitverfolgen. Zwei ältere Herren in der Sitzreihe hinter mir führten eine angeregte Diskussion darüber, was in ihrem Unternehmen wohl als Umsatz gerechnet werden könne und was nicht. Es stellte sich heraus, dass gerade die Zielvereinbarungsgespräche für das neue Jahr liefen und anscheinend wurden die Herren mit sehr ambitionierten Umsatzzielen beglückt. In dem Gespräch versuchten sie nun herauszufinden, was man dem Vorgesetzten wohl alles als Umsatz verkaufen könnte. Unter den Ideen fanden sich Vorschläge wie "jede Anwesenheit in einer Filiale des Unternehmens wird als Umsatz gezählt" oder "Hilfestellungen für interne Kunden" usw. Mit viel Kreativität wurde versucht, den zu erreichenden Messpunkt - das Umsatzziel - zu erreichen.
A bug’s life
Ähnliches erlebe ich auch immer wieder bei Software-Teams. Kunden sind zum Beispiel mit der Qualität der gelieferten Software nicht zufrieden. Deswegen schwört der Teamleiter seine Leute darauf ein, die Anzahl der Bugs zu senken. Damit er auch weiß, ob das Team am richtigen Weg ist, werden Messungen durchgeführt. "Anzahl der Bugs im Produktivsystem" lautet dann beispielsweise die zu optimierende Maßzahl. Die Aufgabe der Entwickler ist es nun, die Anzahl der Bugs zu senken. Klingt ja sehr vernünftig! Der Plan sagt, dass sie ihre volle Aufmerksamkeit auf das Thema Qualität richten und dann wird die Kundenzufriedenheit nur so in die Höhe schnellen.
Mit dem Marschbefehl der Bug-Minimierung geht es nun ans Werk. Relativ bald lassen sich skurrile Diskussionen zwischen Entwicklern und Produktverantwortlichen verfolgen: "Das ist doch kein Bug! Ihr habt das Feature eindeutig falsch beschrieben." Warum ist das wichtig? Naja klar, die Entwickler wollen ja die Anzahl der Bugs im Produktivsystem reduzieren und somit ist es sehr wichtig, was als Bug gezählt wird und was nicht. Jede gewonnene Diskussion bringt uns unserem Ziel scheinbar näher - weniger Bugs im Produktivsystem.Nicht die Messung muss optimiert werden, sondern das Produkt!
Doch was war eigentlich der initiale Grund, warum die Messung eingeführt wurde? Den Kunden soll ein qualitativ hochwertiges Produkt geliefert werden. Wird die Qualität des Produkts durch die Diskussion "was ist ein Bug und was nicht" höher? Sicher nicht! Das Resultat: Es wird die Messungen und nicht die Qualität des Produkts optimiert. Ganz nebenbei entwickelt sich dadurch auch noch eine hervorragende "Finger-Zeig-Kultur" - "Du bist schuld, nicht ich!"
Ähnliches haben auch die beiden Herren in der Tram versucht: Es ging in der ganzen Diskussion nur darum, kreative Schachzüge zu entwickeln, damit der Messpunkt "Umsatzziel" am Jahresende erreicht werden kann.
Es stellt sich immer wieder heraus, dass Messungen eine wirklich gute Sache sind. Aber nur, wenn erstens das Ziel der Messung klar ist und zweitens das Ziel auch tatsächlich verfolgt wird.
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